Blog

Oktober 2018: Feuer!

In Meppen brennt die Heide, weil die Bundeswehr beim Spielen nicht aufgepasst hat. Angelegentlich hier mein kalligrafischer Kommentar zur Finanzkrise 2009:
„Es brennt! rufen die Brandstifter, helft, sonst geht die Welt in Flammen auf, helft… Wir haben nichts gewusst, wir konnten doch nicht ahnen, dass Benzin brennt… und so gut. Schließlich hat jeder ein paar Liter, aber dass die alle mit in die Luft gehen, war nicht zu erwarten. Dass die Leute nicht besser aufpassen können, wir haben unser Benzin doch auch nicht ins Feuer gegossen…“
.

August 2018: Tipps und Tricks in der Kalligraphie

Dieser Beitrag sammelt einfach mal ein paar wichtige,  praktische und nützliche Tipps für die Kalligraphie.
Meine wichtigsten Vorgaben sind diese:

  • nimm dir Zeit, schönes Schreiben geht nicht schnell, mach es dir bequem.
  • sorge für einen gleichbleibenden Arbeitsplatz, hell, ruhig und geräumig soll er sein, und immer bereit für dich.
  • nutze gutes Werkzeug: antike Schreibfedern sind oft um etliches besser als heutige Ware. Pinsel dürfen nicht haaren. Tinte und Tusche aus dem Fachgeschäft.
  • sorge für gute Beleuchtung, für Rechthänder kommt sie am besten von links, damit die Hand keinen Schatten wirft. Tageslicht ist am schönsten, es gibt auch Tageslichtlampen, das ist gesünder für den Körper.
  • wasche deine Hände, damit sie sauber und fettfrei sind.
  • lege dir ein Polster unter dein Schreibpapier, ein paar Blatt Zeitung reichen.
  • ein vernünftiger Stuhl  und aufrechtes Sitzen lassen den Rücken länger durchhalten.
  • schreib so oft du kannst, und wenn es nur der Einkaufszettel ist.
  • begib dich unter andere Schreibbegeisterte! Die besten Anstöße bekommt man von Gleichgesinnten. Wenn die Zeit fehlt, suche dich durch Youtube nach Videos, die das Schreiben vorführen.
  • ein Schreibpult kann man sich relativ leicht selber bauen. Wenn man eine Glasplatte einlässt, kann man das Schreibblatt sogar von unten durchleuchten und eine Vorzeichnung sehr leicht übertragen. Zudem kann man viele praktische Aufbewahrungsbehälter und Hilfsmittel montieren.
    Ob man lieber auf dem Tisch schreibt oder auf einer (mehr oder weniger flach) geschrägten Fläche ist eigentlich Geschmackssache. Nur beim Schreiben mit der Gänsefeder braucht man ein steil geneigtes Schreibpult.

Juli 2018: Lieblingspapiere für die Kalligraphie…

Das Papier ist der Fußboden unserer Schrift. Er kann eben und holprig sein, glatt oder rauh, und wie er auf unsere Schreibwerkzeuge und Schreibflüssigkeiten reagiert, ist oft ebenso unvorhersehbar wie das Wetter. Allgemein gilt: glatte Papiere sind gut geleimt und bieten in der Regel faserfreie Schriftzüge. Im Moment verwende ich für alle Zwecke, wo weißes Papier gefragt ist, das Color Copy Papier von Papyrus. Mit 120 Gramm pro Quadratmeter ist es noch flexibel und nicht zu schwer, aber etwas dicker als normales Kopierpapier mit 90 g/m². Wer farbigen Untergrund benötigt, nimmt die Rainbow-Serie.

Für viele praktische Zwecke, die robusteres Papier erfordern, ist das Pergamentimitat oder „Elefantenhaut“ genannte Material auf Papierbasis mit der typischen Äderung eines Naturpergaments die erste Wahl. Es ist besonders stabil, kratz- und scheuerfest, in Maßen abwaschbar und erstaunlich schmutzunempfindlich. Die gängigsten Farben sind weiß, grau und chamois, in der Regel genügen 90 Gramm Papiergewicht.

Für Skizzen und Entwürfe reicht ein karierter Schreibblock mit glatter Oberfläche.

 

 

Lettering: Der Mensch ist die Dornenkrone der Schöpfung

Lettering-Spruch zum Sonntag: „Der Mensch ist die Dornenkrone der Schöpfung“. Stanislaw Jerzy Lec war als Aphoristiker eine Rasierklinge. Seine durch Krieg und Vertreibung geprägte Lebensgeschichte führte ihn auch mit Marcel Reich-Ranicky zusammen, der direkt nach dem WK II unter ihm in einer Propaganda- und Übersetzungseinheit der polnischen Volksarmee arbeitete. Ein spannendes Leben, das ihn zu scharfzüngigster Kritik an den Menschen beflügelte, die er aber immer mit einer guten Portion Satire verdaulich zu gestalten wußte.

Guten Morgen! Ausgeruht?

Guten Morgen!

Guten Morgen! Ausgeruht?Handlettering macht mir ja zunehmend Spaß, muss ich sagen. Es ist eine so verspielte Schreiberei, weit weg vom strengen Formvollendeten, das die klassische Kalligraphie ausmacht. Aber natürlich hilft es einem, wenn man die klassischen Techniken beherrscht. Langsamkeit bei der Ausführung ist weiterhin Garant für gutes Aussehen und gelungene Strichführung. Dennoch geht beim Lettering alles etwas schneller.

Man muss weggehen können…

Eine 2003 entstandene Kalligraphie in Unzialschrift: Die Buchstaben hätten viel massiger sein müssen, ich habe eine zu dünne Feder benutzt. Weil mir das Gedicht „Ziehende Landschaft“ von Hilde Domin aber so gut gefällt, zeige ich es heute doch noch mal her, und sei es nur als schlechtes Beispiel einer Unzialschrift.

Man muß weggehen können
und doch sein wie ein Baum:
als bliebe die Wurzel im Boden,
als zöge die Landschaft und wir ständen fest.
Man muß den Atem anhalten,
bis der Wind nachläßt
und die fremde Luft um uns zu kreisen beginnt,
bis das Spiel von Licht und Schatten,
von Grün und Blau,
die alten Muster zeigt
und wir zuhause sind,
wo es auch sei,
und niedersitzen können und uns anlehnen,
als sei es an das Grab
unserer Mutter.

Nur wenige sind es wert dass man ihnen widerspricht.

Guter Rat für Facebook & Co.

ErNur wenige sind es wert dass man ihnen widerspricht.nst Jünger hatte diesen guten Rat für alle SocialMedia-Debatten: Nur wenige sind es wert, dass man ihnen widerspricht.
Wenn man sich den immer mal wieder ins Gedächtnis ruft, erspart man sich einigen Ärger und verschwendete Lebenszeit.
Geschrieben mit dem PittArtist Pen von Faber-Castell, Brush-Spitze. Und im Stil des Handlettering: keine gerade Linie, die Buchstaben tanzen, grafische Elemente vermitteln Bewegung.

Handlettering für den Hausgebrauch

Zeit der Küchenkräuter: Alles wuchert und sprießt, und man trocknet und must und stellt schöne Sachen her, an denen man sich im Winter freuen kann, wenn man sie noch wieder findet. Gute Beschriftung ist daher ein wichtiges Hilfsmittel, und schöne Beschriftung sorgt dazu noch dafür, dass das Selbstgemachte eine echte Ziede im Küchenschrank ist.
Die Handhabung der Brushpens ist nicht ganz einfach, zumindest empfinde ich es als durchaus geübte Schreiberin der verschiedensten Kalligraphiestifte. Aber man kommt schneller zum Ziel, und die Unvollkommenheit der Schriftzüge, ihre Unregelmäßigkeiten sind Teil vom Charme des Handletterings. Der Pen wird wie ein Pinsel durch Aufdrücken breiter, und man schreibt am besten wie bei der Bandzugfeder immer von oben nach unten, und von links nach rechts, nicht „gegen den Strich“.

Juni 2018: Tintenrezepte für alle

Eigene Tinten herzustellen ist eine reizvolle Aufgabe für die Kalligraphie. Sehr gebräuchlich waren lange Zeit die Rußtinten, die z.B. aus 10 Teilen Ruß und 7 Teilen Gummi arabikum und Wasser herzustellen sind. Für den Ruß wurden unterschiedlichste Stoffe verschwelt, der eine Schreibmeister schwor auf Erdölruß, der andere auf Leinölruß, der dritte und noch der 500ste Schreiber schwor auf etwas anderes wie Olivenöl, Dattelkerne, Kürbisschalen oder was auch immer reichlich und billig vorhanden war. Es gab feste Tinten in Form getrockneter Kügelchen, die auf Reisen mitgenommen wurden, und flüssige „Soforttinten“. Als das Pergament als Beschreibstoff aufkam, wurde die haltbare, lichtechte Eisengallustinte verwendet.
Read More

Mai 2018: Früheste Schriften

Warum in die Ferne schweifen… im mir benachbarten Sauerländer Städtchen Werl ist ein kleines Museum mit Exponaten aus aller Welt eingerichtet. Man höre und staune: Das Völkerkundemuseum der Franziskaner ist mit über zehntausend Gegenständen außereuropäischer Kunst und Alltagskultur das größte Völkerkundemuseum Westfalens!
Und inmitten all dieser Schätze findet natürlich auch die Schriftkunst ihren Platz. Von Keilschrifttafeln 2000 Jahre vor unserer Zeitrechnung beginnend bis zu den chinesischen „Kostbarkeiten der Studierstube“ ist eine Menge vertreten, was den Schriftinteressierten faszinieren kann. Wir können uns heute glücklich schätzen mit unserem 26-Buchstaben-Alphabet,  während die Keilschriftler noch 800-2000 Zeichen beherschen mussten. Chinesen haben es bis heute nicht leichter: „Für den alltäglichen Bedarf ist die Kenntnis von 3.000 bis 5.000 Zeichen ausreichend.“  Na, das geht doch.