August 2017: Die karolingische Minuskel

Nach den Wirren der Völkerwanderung war es armselig bestellt um Bildung und Wissen in Europa. Einzig in den Klöstern hatten sich Bücher und Handschriften erhalten, die einen Hauch des blühenden wissenschaftlichen Lebens der Antike gerettet hatten und von eifrigen Mönchen vervielfältigt wurden.
Die Schriften, die sie nutzten waren römische Unziale und Kapitalis, und aus diesen entwickelte sich unter dem politischen Gestaltungswillen des Carolus Magnus die „karolingische Minuskel“. Federführend hierbei wiederum die Klöster, in der Abbildung rechts eine Frühform der Minuskel aus dem Kloster von Corbie. Unter dem Abt Mordramnus wurde die nach ihm benannte Bibel geschrieben. Römische Kapitalis wurde für Überschriften und Absatzbildung genutzt, der Fließtext aber war in Minuskelschrift verfasst.
Diese Schrift war gut lesbar, klar und ruhig in ihrer Wirkung, und sie war schnell zu schreiben. Mit der flächendeckenden Gründung von Schreibschulen (siehe Alkuin von York) verbreitete sie sich als Gebrauchsschrift und war jahrhundertelang mehr oder weniger unverändert in Benutzung. Die Ausgestaltung mit extremen Ober- und Unterlängen für Urkunden (diplomatische Minuskel) diente dem Schutz vor Fälschungen: oft wurden Urkunden in Teile geschnitten und den Vertragsparteien jeweils ein Teil übergeben, so dass die Stücke zur Authentifizierung an den verlängerten Buchstaben passen mussten.
Die karolingische Minuskel wird in 4-5 Federbreiten Höhe geschrieben (zum Vergleich: die Capitalis ca. 7-9 Federbreiten), die Buchstaben wirken fast quadratisch. Dieser Duktus wurde mit dem Übergang zur gotischen Minuskel weiterentwickelt (etwa ab 1200) und mündete in den strengen, schlanken Formen der Texturschrift, die viel platzsparender war und das kostbare Pergament besser nutzte. Ein kurzer Film (ca.8 Minuten) von Mittelalterliche-Geschichte.de informiert sehr anschaulich über die Entwicklung der Schriften im Mittelalter.

Mordramnus-Bibel in früher Minuskelschrift

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