Material und Technik Teil 2: Papier und Pergament

Worauf schreibt es sich am besten? Hier werden die gebräuchlichsten Papiere und Pergamente vorgestellt.

Teil 2: Papier und Pergament

Der Name Papier leitet sich vom ägyptischem Papyrus her. Auch wenn Papyrus bereits ein brauchbares Schreibmaterial darstellte, haben erst die Chinesen im Jahre 105 nach Christus das eigentliche Papier erfunden. Der Hofbeamte Ts´Ai Lun stellte der Legende nach unter Verwendung von Hanffasern das erste brauchbare Papier her.

Auch heute wird Hanf wieder zur Papierherstellung genutzt. Die schnellwüchsige Pflanze, die zwei bis vier Meter hoch wird, liefert sehr lange Fasern und kann für die unterschiedlichsten Werkstoffe genutzt werden. Es ist eines der spannendsten Kapitel der Industriegeschichte, warum diese erstaunliche und vielseitige Pflanze verteufelt worden ist. Video Quarks/WDR: „7 Dinge die Sie wissen sollten“

Eine allgemeine Aussage über das beste Papier für die Kalligraphie ist schwierig. Jede Schreibflüssigkeit verhält sich zu jedem Papier in bestimmter Art und Weise. Faseriges Papier wird eher mit Tusche funktionieren als mit Tinte, die in alle Richtungen auslaufen kann. Glattes Papier ist einfacher zu beschreiben als raues. Aquarellpapier eignet sich hervorragend fürs Schreiben, aber es ist teuer. Gutes Kopierpapier mit mindestens 90 Gramm/m² ist mir für die meisten Arbeiten ausreichend, man bekommt es auch leicht getönt (hellchamois). Im Fachhandel kann man oft auch erst mal ein Blatt zum Ausproberen bekommen. Sucht euch ein Markenpapier, dass ihr auch zuverlässig nachkaufen könnt!

Das Zerlaufen der Tinte/Tusche wird durch eine gute Leimung des Papiers verhindert. Bei einfachen Papieren ist sie oft nur sehr dünn und löst sich auf. Ganz unbrauchbar sind oft die Billigimporte an ledergebundenen Notizbüchern, gern aufwändigst verziert, aber das verwendete Papier ist im wahrsten Wortsinn für den A…

Pergament war das Schreibmaterial Europas, bevor die chinesische Erfindung sich verbreitete (wahrscheinlich, indem man Papiermacher gefangen nahm und folterte). Und es ist einer der kostbarsten Schreibuntergründe, so kostbar, dass alte Dokumente oft wieder abgekratzt und neu beschrieben wurden. Durch neueste Untersuchungsmethoden wird so manche Kostbarkeit wieder entdeckt, deren Überreste unter einem neuen Text sichtbar werden (Palimpseste).

Die Herstellung von Pergament war eine gesundheitlich ruinöse Arbeit. Gift, Säure und infernalischer Gestank prägten den Arbeitsalltag. Angeboten wurden Schaf-, Ziegen- und Kalbspergament, meist von normal geschlachteten Tieren. Bei verendeten Tieren ist die Oberfläche der Haut von der Struktur der Blutgefässe geprägt. „Junfernhäute“ von ungeborenen Tieren, die bei Notschlachtungen anfallen, werden heute meist für hochwertige Kleidungsstücke verwendet. Prinzipiell kann man aus jeder Haut Pergament herstellen. Sogar Menschenhaut soll in Einzelfällen verwendet worden sein, was dem Schriftstück sicherlich eine besondere Wirkung sicherte.

Die links zu sehenden Pergamentstücke von Ziegenpergament haben eine glatte und weitgehend störungsfreie Oberflächenstruktur und können mit Tusche gut beschrieben werden.

Die Oberfläche von Ziegenpergament ist glatt und kann normalerweise ohne Vorbereitung beschrieben werden. Rauhes Pergament kann mit Naturbaumwolle, wie sie oft in Blumenläden zur Dekoration angeboten wird, geglättet werden. Aufrauen kann man das Material dagegen mit Bimsstein.

Spezielle Papiere und Basiswissen

Sisalpapier
Die Sisalpflanze liefert sehr feste Fasern, die zu einen Papier mit rauer Oberfläche verarbeitet werden. Bereits die Azteken nutzten die Sisalfasern, um daraus papierähnliche Beschreibstoffe herzustellen. Sisal wird besonders in Südamerika und dem europäischen Mittelmeerraum angebaut, vielfach allerdings zur Nutzung in der Seil- und Gewebeherstellung.

Flachspapier
Flachs oder Lein (Linum usitatissimum, siehe Abbildung links) ist eine einjährige Pflanze, die bis zu einen Meter hoch wird. Die langen Fasern der Rinde werden zur Herstellung von Leinengewebe genutzt. Aus Leinentextilien gemachtes Papier hat eine glatte Oberfläche, und ist sehr fest und haltbar. Bevor Papier aus Zellstoff gemacht wurde, war Flachs darum bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts der wichtigste Papierrohstoff in Europa. Lumpen waren hoch begehrt (es gab den Berufsstand des Lumpensammlers), die verfügbare Menge konnte jedoch bei weitem nicht den Papierbedarf decken. Ab etwa 1850 wurde die Papierherstellung aus Holzfasern möglich, und Flachs verlor seine Bedeutung. Heute wird die wunderschön blau blühende Pflanze immer noch zur Ölgewinnung für Nahrungsmittel- und Farbenindustrie angebaut. Leinöl hat besonders viele ungesättigte Fettsäuren und insbesondere einen hohen Anteil an der Omega-3-Fettsäure alpha-Linolensäure.

Maulbeerbaum

Maulbeerbaumpapier
In Ostasien werden Maulbeerbäume als Futterpflanzen in der Seidenraupenzucht eingesetzt. Es gab aber spezielle Papiermaulbeerbäume, aus deren Rinde eine Bastfaser gewonnen wurde. Zu Brei angerührt, wurden aus ihr mit Bambussieben Papierbögen geschöpft. In Japan wird auf diese Weise heute noch das so genannte „Kozopapier“ gewonnen.

Baumwollpapier
Baumwolle ist ein Malvengewächs, das etwa 2 m hoch wird. Seit mehr als 5000 Jahren wird er vorzugsweise für die Textilherstellung angebaut. Aus den 12 bis 50 Millimeter langen Fasern, die aus den Samenkapseln gewonnen werden, wird ein festes Papier mit glatte Oberfläche hergestellt. Baumwolle wird besonders in den subtropischen Regionen Amerikas, Afrikas und Asiens angebaut.

Bambuspapier
Bambus ist eine Grasart, die büschelig bis zu 15 m hoch wächst. Es gibt über 1200 Arten, die überwiegend in den tropischen und subtropischen Regionen Asiens wachsen. Die Faser ist etwa 2,4 Millimeter lang und lässt sich ähnlich wie Holzfaserstoff verarbeiten. Das Papier hat eine raue Oberfläche.

Reispapier
Als Reispapier werden mehrere Papiersorten bezeichnet, die teilweise aus Reisstroh oder aus den Fasern des Reispapierbaumes gewonnen werden, einer Aralienart. Aber auch Papiere aus Flachs oder Maulbeerfasern zählen zu den Reispapaiere. Sie sind sehr dünn, transparent und saugfähig. Auch essbare Papiere werden aus Reisstroh hergestellt, und zum Beispiel für Frühlingsrollen verwendet.

Papier aus Holzfasern
Bei der Papierherstellung aus Zellstoff werden bevorzugt Fichten eingesetzt. Die Fichte liefert Faserstoff von drei Millimeter Faserlänge im Gegensatz zu Laubhölzern, deren Zellstofffasern nur halb so lang sind. In den westlichen Industrieländern werden die Pflanzenfasern für die Papierherstellung heute fast ausschließlich aus Holz gewonnen.