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Kalligraphie für Selbstgemachtes

Kalligrafische Etiketten für Selbstgemachtes
Kalligrafierte Etiketten sind schick

Noch steckt der Frost im Boden, aber die GärtnerInnen unter uns sortieren schon die Saatschalen: Bald geht es wieder los mit der Vorbereitung für eigene Ernten. Und wer selber einkocht, möchte natürlich auch schöne Beschriftungen auf den Gläsern haben.
Was man im Frühling nicht schreibt, kann man im Sommer nicht drucken, kann man im Herbst nicht auf die Gläser kleben… frei nach Herder gestalte ich mir bei diesem unwirtlichen Wetter schon mal die Etiketten für Eingemachtes. Hat jemand Bedarf? Ich gestalte die natürlich auch auf Kundenwunsch 😉

Schreib was du kannst…

Alter Spruch aus dem Jahr 2000: meine Güte, war das noch krumm und schief!
Ein Spruch aus dem Jahr 2000

Das dritte Jahrzehnt meiner kalligrafischen Laufbahn hat begonnen. Im Jahr 2000 kaufte ich die Domain Kalligraphie.de (und auch Kalligraphie.org, die ein nachlässiger Netzbetreuer ein paar Jahre später beim Umzug verbummelte und die bis heute nicht genutzt wird). Ich hatte eine Homepage zum Thema Kalligraphie und konnte nix. Das wurde leider auch deutlich, weil ich jeden Sonntag einen neuen „Spruch der Woche“ unter selbiger Rubrik veröffentlichte. „Sie hat sich bemüht“ steht dazu in Zeugnissen 😉 Aber wenn man sich zwanzig Jahre lang bemüht, wird es eben doch was.

Inzwischen ist der Umgang mit der Feder gut genug, dass ich mich frohen Mutes in die Aufhübschung eines Familienstammbaums begeben kann, ohne Schweißausbrüche zu bekommen. Man lernt immer nur dazu, und verfeinert seine Technik.
In 2021 hört die Kalligraphie nun auf, nur Hobby zu sein. Nach fast zwanzig Jahren habe ich meine Arbeit verloren, die mir viel Spaß gemacht hat. Zeit für etwas ganz Neues, gezwungenermaßen. Die Pandemie stellt viele Menschen vor existentielle Probleme, da bin ich nicht allein. Aber ich bin frohen Mutes:

...denn jedem Anfang wohnt ein Zauber inne... (aus Hermann Hesses Gedicht "Stufen")
…denn jedem Anfang wohnt ein Zauber inne…

Vom Schreiben und Denken

Wie wichtig war die Erfindung der Schrift für die Entwicklung der Menschheit? In der dreiteiligen Dokumentation „Vom Schreiben und Denken. Die Saga der Schrift“ wird dieser Frage nachgegangen. Die Erfindung des Rebusprinzips war der Schlüssel zur Entwicklung von Schriften, deren Zeichen nicht mehr für definierte Gegenstände, sondern für Laute standen. Damit wurde die Schrift allmächtig zur Dokumentation jedweder Aussagen. Und dies war die Grundlage für gesellschaftliche Entwicklung.

Hieroglyphen: kompliziert und heilig

Der Buchdruck des Guttenberg funktionierte mit der lateinischen Schrift unvergleichlich gut. Mit dem Buchdruck setzte auch wieder eine Alphabetisierung der Bevölkerung ein, denn man wollte LESEN, was z.B. ein Luther zu sagen hatte. In anderen Gesellschaften mit komplexen Schriftsystemen waren der Verbreitung von Wissen Schranken gesetzt, die bis in die Moderne standen. Das erste gedruckte arabische Werk datiert auf Anfang des 20. Jahrhunderts. In China wurden zwar vereinzelt Holztafeln zum Drucken genutzt, aber die Technik wurde durch die Fülle der Schriftzeichen einfach nicht als praktikabel angesehen.

Brody Neuenschwander, einer der Schriftkünstler in der Dokumentation

Die Verbreitung und Vervielfältigung von Schrift als Träger von Gedanken war der Turbobooster der westlichen Industrienationen, der zu einem immensen Vorsprung durch technisches Knowhow und dessen Anwendung führte, und der in Folge durch den Kolonialismus wirtschaftlich gefestigt wurde.

Die Dokumentation ist bis zum 19.Januar 21 online auf ARTE.

Eigene Tinte ausprobieren

Eigene Tinte zu benutzen macht Freude und lädt zum Experimentieren ein. Es gibt viele Farbstoffe aus der Natur, die leicht zu beschaffen bzw. im Haushalt sowieso vorhanden sind.

Besonders gut hat mir starker Kaffee gefallen. Nicht nur der Glanz des getrockneten Kaffees auf dem Papier ist wunderschön und steht guter Zeichentusche in nichts nach, das Geschriebene duftet auch noch. Das hat man bei starkem Tee nicht so, aber schreiben lässt er sich ebenso gut. Einfach mal eine Tasse mit drei Beuteln oder einer Kannenportion aufkochen und lange ziehen lassen, mind. eine halbe Stunde.

Es gibt auch einige Beeren, die intensiv genug färben, um direkt Tinte daraus zu gewinnen. Hollunder und Aronie ergeben zum Beispiel ein kräftiges Lila, Himbeersaft ein schönes rosa. Färberpflanzen zum Experimentieren gibt es viele. Wer es gleich professioneller angehen möchte, dem sei diese Projektarbeit eines Stuttgarter Berufskollegs empfohlen.

Die Unterschiede bei Stahlfedern

Als es noch keine (erschwinglichen) Füller gab, war eine Fülle verschiedenster Schreibfedern auf dem Markt. Eine kleine Auswahl habe ich hier mal abgebildet. Von 1 bis 9 sind Spitzfedern zu sehen, die alle nach dem Prinzip des Schwellzugs feinste Schreibschrift produzieren (können). Dazu muss man die grundsätzliche Technik unterschiedlicher Druckausübung beherrschen, und zwar beim Abstrich den Druck auf die Feder zu verstärken, beim Aufstrich den Druck von der Feder zu nehmen. Ergebnis ist die Spreizung der Federspitze mit ensprechendem „anschwellen“ der Strichbreite. Hier ein schönes Video.
Einfacher im Gebrauch und damit besonders für AnfängerInnen wichtigste Schreibfeder des Kalligraphen ist die Bandzugfeder. Mit ihr werden vorzugsweise die gebrochenen Schriften produziert, aber sie funktioniert grundsätzlich für alle Schriften. Egal wie breit die Feder ist (es gibt sie von 0,5 mm bis 5 mm Breite): die Strichbreite verändert sich von selbst, ohne dass Druck ausgeübt wird, einfach durch die breite, flache Form. So erreicht man auch ohne größere handwerkliche Erfahrung ein „kalligrafisches“ Schriftbild.

In der unteren Reihe sind Ornamentfedern (10+11) abgebildet: die haben eine runde Platte vorn, so dass der Federstrich eine ecken- und kantenlos runde Schrift produziert. Die 12 ist eine Doppelstrich-Feder und hinterlässt einen dünnen, einen dickeren Strich. Die Notenlinienfeder (13) schreibt gleich 5 Linien für komponierende MusikerInnen. 14 – 16 sind Bandzugfedern in 1, 2 und 3 mm.
Die beiden Plakatfedern am Ende sind für großformatige Schriften und verbrauchen entsprechend viel Farbe.

Verschiedene Stahlfedern, für jeden Schreibstil etwas


Fonts im Lettering-Style

Auch fürs Handlettering gibt es inzwischen jede Menge PC-Schriften, sogenannte true type fonts (die Datei-Endung ist .ttf), mit denen man das klassisch „unregelmässige“ Design beim Lettering imitieren kann, ohne sich mit Pinsel oder Brushpen abzumühen. Ich habe mal eine nette Mischung zusammen gesucht, die Schriften sind für den persönlichen Gebrauch kostenlos.

Countryside

Dies ist die „Countryside“ von Billy Argel. Der Link führt zu einer gezippten (d.h. komprimierten) Datei aus mehreren Teilen. Am einfachsten geht das „Öffnen mit Windows Explorer“, dann werden einem die Dateien angezeigt, und man kann sie einzeln anwählen. Mit einem Doppelklick auf eine der .ttf-Dateien wird einem die Schrift angezeigt (wie oben dargestellt) und man kann auf „Installieren“ klicken, Windows fügt die Schrift automatisch ins Verzeichnis Windows/Fonts ein. Man hat sie künftig in allen Programmen zur Verfügung. Es ist zu beachten, dass man den Ordner Fonts ab und zu mal sichern sollte 😉

Bei PC-Schriften geht allerdings oft ein wesentliches Merkmal des Handlettering verloren: der über und unter der Schriftlinie tanzende Duktus des Handschriftlichen, der die Lebendigkeit ausmacht.

WatermelonScript.ttf

Bei der Schrift „Watermelon“ von Misti´s Fonts ist das schon sehr viel lebendiger gelöst. Die Unregelmässigkeit der Buchstaben wurde in ihrer Form angelegt, die Verbindungen der Buchstaben sind aber immer mittig und ergeben so ein zusammenhängendes Schriftbild. Einzelne Buchstaben zu einem Fonts zusammenzustellen ist da ungleich einfacher. Auch „Autumn in November“ ist eine schöne Schrift aus derselben Font-Schmiede.

Sehr hübsch finde ich auch diese Schrift: „Easy November“. Wie bei vielen kostenlosen Fonts wurden allerdings einzelne Buchstaben und Zeichen nicht mitgeliefert, es fehlt aber scheinbar nur sz, Frage- und Ausrufezeichen. Nachvollziehbar, es steckt viel Arbeit in der Herstellung einer Schrift, in der Kaufversion hat man natürlich auch alle Zeichen.

Eine gänzlich in Kleinbuchstaben gehaltene Schrift ist „Inkland“. Die Großbuchstaben sind mit einer anderen Form belegt, sodass man ein typografisch buntes Schriftbild erhält. Hier sieht man es am Anfangs-i und am s des Wortes Schrift, beides wurde als Großbuchstabe getippt, aber in der ttf-Datei sind es eben nur anders geschriebene kleine.

Diese Beispiele gab es bei Fontspace, ebenso empfehlenswert finde ich DaFont, und es gibt noch eine Menge weitere. Aber diese kenne ich schon ewig (was ca. Jahrtausendwende bedeutet) und sehe sie als seriös und von Leidenschaft fürs Thema bestimmt. Kann sich natürlich bei Besitzwechsel schnell ändern 😉

Die bunte Zahl 2019

Spätestens am Jahresende fängt man an, mit den Ziffern des kommenden Jahres herum zu spielen, und eigentlich hätte ich besser gleich fürs nächste Jahr experimentiert. Aber 2020 lässt sich ja sehr leicht aus 2019 generieren…
Es empfiehlt sich das Vorzeichnen mit weichem Bleistift (je härter der Stift, desto schwieriger ist das wegradieren dieser Hilfslinien. Ich nehme meist 2B, das ist ein viel schöneres Schreiben als mit den handelsüblichen HB-Bleistiften. Außerdem supported ihr den letzten lokalen Schreibwarenhandel 😉
Man kann diese Konturen direkt farbig ausmalen oder erst konturieren (dunkle Farben bieten sich an) und dann füllen. Schnell und effektvoll ist ein schwarzer Fineliner und ein dünner Pinsel mit Wasserfarbe oder Aquarell für das Ausfüllen. Beim Handlettering ist besonders viel Farbe gefragt, je bunter je besser.

Grossflächenschrift

Wer auf Wände schreiben will, braucht große Pinsel. Der Braunschweiger Kalligraph Joachim Propfe ist ein Meister dieses Fachs und stellt sein Können immer wieder visuell zur Verfügung. Interessant ist für mich die Technik, mit vorgeschriebener Textbanderole die richtige Proportion vor Augen zu haben.

Hier geht es zu seinem Youtube-Kanal!

Beschriften von Holz

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist beschriftung-kinderarmbrust-110x110.jpg

Beim Beschriften von Holz ergeben sich einige Schwierigkeiten. Je härter das Holz, desto weniger Theater hat man. Die Poren sind feiner, das Material weniger saugfähig, da franst so leicht nichts aus. Bei weichen Hölzern, wie Birke, Pappel, Fichte u.ä. bedarf es meist einer Vorbereitung mit Klarlack, Haarspray oder ähnlicher klarer Porenversiegelung. Erst dann bekommt man hier klare, scharfe Schriftzüge aufs Material. Auch Imprägniergrund hilft. Wenn gar nichts helfen mag, kan man sich mit einem Cutter oder Klinge die Schrift-Konturen vorritzen und so die Begrenzung erzwingen.

Es empfiehlt sich meist, an unauffälliger Stelle eine Probe zu machen: fasert die Schrift aus? Bekomme ich mit einer anderen Schreibflüssigkeit ein besseres Ergebnis? Tusche geht meist besser als Tinte.

Auf Leder zu schreiben ist relativ einfach, besonders Glattleder geht wunderbar. Beim Wildleder hat man eine sehr hohe Saugfähigkeit, da geht oft eine Menge Tinte ins Material, so dass es auch auf der Unterseite sichtbar werden kann. Man kann sich durch Vorkonturieren mit einem schwarzen Kugelschreiber helfen, die Konturen lassen sich schneller, zügiger füllen.

Lettering-Schriften mit Platz für Farbe

Beim Lettering werden gern Konturenschriften verwendet, die man vielfältig füllen kann. Einige Beispiele möchte ich hier geben.

Wie auch immer ihr die Formen wählt: innerhalb eines Wortes solltet ihr für denselben Buchstaben auch dieselbe Form schreiben, der Leserlichkeit zuliebe! Lettering will ja durchaus eine Botschaft (meist eine kurze) verständlich rüberbringen. Ein zu bunter Stilmix kann die Augen nerven, die zwar auf Unregelmäßigkeiten stehen (lieber etwas krumm und handgeschrieben als computergeneriert seelenlos), aber nicht lange rätseln möchten, was denn da so steht.

Konturschriften sind deutlich, einfach zu zeichnen und nehmen viel Farbe auf. Es sind immer nur die ersten fünf Buchstaben vorgeführt, aber anhand des Beispiels sollte man die Reihe leicht fortführen können.

Druckbuchstabenkontur von kalligraphie.de
Farbverlauf-Capitalis: Einfache Druckbuchstabenkontur
Drachenschrift von kalligraphie.de
Drachen-Schrift: zackig nach allen Seiten, mit Fineliner kleine dunkle Striche auf den hellen Hintergrund stippen
Herzchen-Schrift von kalligraphie.de
Herzchen-Schrift: Kontur mit Punktbegleitung und immer in derselben Höhe angebrachten Formen, hier eben ein Herz
Keulchenschrift von kalligraphie.de
Keulchen-Schrift: Buchstabenbasis als Keule, kombiniert mit formgebender Linie
Wölkchenschrift von kalligraphie.de
Mordillo-Schrift: wolkige Konturen mit inliegender Punktierung
Rautenschrift von kalligraphie.de
Rauten-Schrift, kombiniert mit Kreisen, für bunte Farbfüllungen
Schattenschrift von kalligraphie.de
Schatten-Schrift: gibt Tiefe
Spitzserifenschrift von kalligraphie.de
Spitzserifen-Schrift mit gekrümmten Buchstabenabschlüssen
Western-Style von kalligraphie.de
Western-Schrift, vielfältig ausgefüllt
Schraffur-Schrift von kalligraphie.de
Schraffur-Schrift: Buchstabenbasis als gefüllte Balken
Linien-Schrift von kalligraphie.de
Linien-Schrift: langgezogene Worte entstehen
Balken-Minuskeln von kalligraphie.de
Balken-Minuskeln, kombinieren farbige Flächen mit konturgebenden Linien
Ballon-Schrift von kalligraphie.de
Ballon-Schrift: alles rund und viel Raum für Füllung und Möglichkeit der Verschachtelung, wie hier:
Love is in in your pen!

Immer gilt: Zeichnet euch die Buchstaben dünn mit Bleistift vor, zieht Hilfslinien, um die Ausrichtung eurer Buchstaben genau abschätzen zu können und Variationen jenseits der Grundlinie zielgenau zu setzen.

Auf Scheiben schreiben…

Seit vielen Jahren schon gibt es für Einzelhandel, Gastronomie und wer auch immer sie braucht, Kreideschreiber in allen möglichen Breiten, die flüssige Kreide verschreiben.

Sie schreiben wunderbar auf glatten Oberflächen, auf rauem Untergrund ebenso, aber tut das natürlich den Spitzen der Schreiber nicht gut. Das Schöne an der Kreideschrift ist ihre Abwischbarkeit. Jeder glatte Untergrund verwandelt sich so in eine Zaubertafel, die mit einem Wisch wieder beschreibbar wird: das ideale Spielfeld für Übungen.

Fensterschrift mit Kreidemarker
Fensterschrift mit Kreidemarker

Ich werde jetzt schnell versuchen, dass ich die Schreiber noch bis zum 12. Februar bekomme, um sie im Handlettering-Kurs dabei zu haben.
Handlettering wird bei der VHS Arnsberg-Sundern zum ersten Mal dieses Frühjahr angeboten, außerdem gibt es aber noch meinen üblichen Kalligraphiekurs für Einsteiger (und Fortgeschrittene):
Handlettering am 12.Februar und Kalligraphie für Einsteiger am 12. März.

Wenn es klappt, habe ich die Kreidemarker dann bald auch im Shopangebot, es macht wirklich sehr viel Spaß, damit den Ausblick auf die Welt durchs eigene Fenster zu verändern!