August: Eigene Tinte ausprobieren

Eigene Tinte zu benutzen macht Freude und lädt zum Experimentieren ein. Es gibt viele Farbstoffe aus der Natur, die leicht zu beschaffen bzw. im Haushalt sowieso vorhanden sind.

Besonders gut hat mir starker Kaffee gefallen. Nicht nur der Glanz des getrockneten Kaffees auf dem Papier ist wunderschön und steht guter Zeichentusche in nichts nach, das Geschriebene duftet auch noch. Das hat man bei starkem Tee nicht so, aber schreiben lässt er sich ebenso gut. Einfach mal eine Tasse mit drei Beuteln oder einer Kannenportion aufkochen und lange ziehen lassen, mind. eine halbe Stunde.

Es gibt auch einige Beeren, die intensiv genug färben, um direkt Tinte daraus zu gewinnen. Hollunder und Aronie ergeben zum Beispiel ein kräftiges Lila, Himbeersaft ein schönes rosa. Färberpflanzen zum Experimentieren gibt es viele. Wer es gleich professioneller angehen möchte, dem sei diese Projektarbeit eines Stuttgarter Berufskollegs empfohlen.

Juli 2019: Die Unterschiede bei Stahlfedern

Als es noch keine (erschwinglichen) Füller gab, war eine Fülle verschiedenster Schreibfedern auf dem Markt. Eine kleine Auswahl habe ich hier mal abgebildet. Von 1 bis 9 sind Spitzfedern zu sehen, die alle nach dem Prinzip des Schwellzugs feinste Schreibschrift produzieren (können). Dazu muss man die grundsätzliche Technik unterschiedlicher Druckausübung beherrschen, und zwar beim Abstrich den Druck auf die Feder zu verstärken, beim Aufstrich den Druck von der Feder zu nehmen. Ergebnis ist die Spreizung der Federspitze mit ensprechendem „anschwellen“ der Strichbreite. Hier ein schönes Video.
Einfacher im Gebrauch und damit besonders für AnfängerInnen wichtigste Schreibfeder des Kalligraphen ist die Bandzugfeder. Mit ihr werden vorzugsweise die gebrochenen Schriften produziert, aber sie funktioniert grundsätzlich für alle Schriften. Egal wie breit die Feder ist (es gibt sie von 0,5 mm bis 5 mm Breite): die Strichbreite verändert sich von selbst, ohne dass Druck ausgeübt wird, einfach durch die breite, flache Form. So erreicht man auch ohne größere handwerkliche Erfahrung ein „kalligrafisches“ Schriftbild.

In der unteren Reihe sind Ornamentfedern (10+11) abgebildet: die haben eine runde Platte vorn, so dass der Federstrich eine ecken- und kantenlos runde Schrift produziert. Die 12 ist eine Doppelstrich-Feder und hinterlässt einen dünnen, einen dickeren Strich. Die Notenlinienfeder (13) schreibt gleich 5 Linien für komponierende MusikerInnen. 14 – 16 sind Bandzugfedern in 1, 2 und 3 mm.
Die beiden Plakatfedern am Ende sind für großformatige Schriften und verbrauchen entsprechend viel Farbe.

Verschiedene Stahlfedern, für jeden Schreibstil etwas


Juni 2019: Fonts im Lettering-Style

Auch fürs Handlettering gibt es inzwischen jede Menge PC-Schriften, sogenannte true type fonts (die Datei-Endung ist .ttf), mit denen man das klassisch „unregelmässige“ Design beim Lettering imitieren kann, ohne sich mit Pinsel oder Brushpen abzumühen. Ich habe mal eine nette Mischung zusammen gesucht, die Schriften sind für den persönlichen Gebrauch kostenlos.

Countryside

Dies ist die „Countryside“ von Billy Argel. Der Link führt zu einer gezippten (d.h. komprimierten) Datei aus mehreren Teilen. Am einfachsten geht das „Öffnen mit Windows Explorer“, dann werden einem die Dateien angezeigt, und man kann sie einzeln anwählen. Mit einem Doppelklick auf eine der .ttf-Dateien wird einem die Schrift angezeigt (wie oben dargestellt) und man kann auf „Installieren“ klicken, Windows fügt die Schrift automatisch ins Verzeichnis Windows/Fonts ein. Man hat sie künftig in allen Programmen zur Verfügung. Es ist zu beachten, dass man den Ordner Fonts ab und zu mal sichern sollte 😉

Bei PC-Schriften geht allerdings oft ein wesentliches Merkmal des Handlettering verloren: der über und unter der Schriftlinie tanzende Duktus des Handschriftlichen, der die Lebendigkeit ausmacht.

WatermelonScript.ttf

Bei der Schrift „Watermelon“ von Misti´s Fonts ist das schon sehr viel lebendiger gelöst. Die Unregelmässigkeit der Buchstaben wurde in ihrer Form angelegt, die Verbindungen der Buchstaben sind aber immer mittig und ergeben so ein zusammenhängendes Schriftbild. Einzelne Buchstaben zu einem Fonts zusammenzustellen ist da ungleich einfacher. Auch „Autumn in November“ ist eine schöne Schrift aus derselben Font-Schmiede.

Sehr hübsch finde ich auch diese Schrift: „Easy November“. Wie bei vielen kostenlosen Fonts wurden allerdings einzelne Buchstaben und Zeichen nicht mitgeliefert, es fehlt aber scheinbar nur sz, Frage- und Ausrufezeichen. Nachvollziehbar, es steckt viel Arbeit in der Herstellung einer Schrift, in der Kaufversion hat man natürlich auch alle Zeichen.

Eine gänzlich in Kleinbuchstaben gehaltene Schrift ist „Inkland“. Die Großbuchstaben sind mit einer anderen Form belegt, sodass man ein typografisch buntes Schriftbild erhält. Hier sieht man es am Anfangs-i und am s des Wortes Schrift, beides wurde als Großbuchstabe getippt, aber in der ttf-Datei sind es eben nur anders geschriebene kleine.

Diese Beispiele gab es bei Fontspace, ebenso empfehlenswert finde ich DaFont, und es gibt noch eine Menge weitere. Aber diese kenne ich schon ewig (was ca. Jahrtausendwende bedeutet) und sehe sie als seriös und von Leidenschaft fürs Thema bestimmt. Kann sich natürlich bei Besitzwechsel schnell ändern 😉

Mai: die bunte Zahl 2019

Spätestens am Jahresende fängt man an, mit den Ziffern des kommenden Jahres herum zu spielen, und eigentlich hätte ich besser gleich fürs nächste Jahr experimentiert. Aber 2020 lässt sich ja sehr leicht aus 2019 generieren…
Es empfiehlt sich das Vorzeichnen mit weichem Bleistift (je härter der Stift, desto schwieriger ist das wegradieren dieser Hilfslinien. Ich nehme meist 2B, das ist ein viel schöneres Schreiben als mit den handelsüblichen HB-Bleistiften. Außerdem supported ihr den letzten lokalen Schreibwarenhandel 😉
Man kann diese Konturen direkt farbig ausmalen oder erst konturieren (dunkle Farben bieten sich an) und dann füllen. Schnell und effektvoll ist ein schwarzer Fineliner und ein dünner Pinsel mit Wasserfarbe oder Aquarell für das Ausfüllen. Beim Handlettering ist besonders viel Farbe gefragt, je bunter je besser.

April: Grossflächenschrift

Wer auf Wände schreiben will, braucht große Pinsel. Der Braunschweiger Kalligraph Joachim Propfe ist ein Meister dieses Fachs und stellt sein Können immer wieder visuell zur Verfügung. Interessant ist für mich die Technik, mit vorgeschriebener Textbanderole die richtige Proportion vor Augen zu haben.

Hier geht es zu seinem Youtube-Kanal!

März 2019: Beschriften von Holz

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist beschriftung-kinderarmbrust-110x110.jpg

Beim Beschriften von Holz ergeben sich einige Schwierigkeiten. Je härter das Holz, desto weniger Theater hat man. Die Poren sind feiner, das Material weniger saugfähig, da franst so leicht nichts aus. Bei weichen Hölzern, wie Birke, Pappel, Fichte u.ä. bedarf es meist einer Vorbereitung mit Klarlack, Haarspray oder ähnlicher klarer Porenversiegelung. Erst dann bekommt man hier klare, scharfe Schriftzüge aufs Material. Auch Imprägniergrund hilft. Wenn gar nichts helfen mag, kan man sich mit einem Cutter oder Klinge die Schrift-Konturen vorritzen und so die Begrenzung erzwingen.

Es empfiehlt sich meist, an unauffälliger Stelle eine Probe zu machen: fasert die Schrift aus? Bekomme ich mit einer anderen Schreibflüssigkeit ein besseres Ergebnis? Tusche geht meist besser als Tinte.

Auf Leder zu schreiben ist relativ einfach, besonders Glattleder geht wunderbar. Beim Wildleder hat man eine sehr hohe Saugfähigkeit, da geht oft eine Menge Tinte ins Material, so dass es auch auf der Unterseite sichtbar werden kann. Man kann sich durch Vorkonturieren mit einem schwarzen Kugelschreiber helfen, die Konturen lassen sich schneller, zügiger füllen.

Februar 2019: Lettering-Schriften mit Platz für Farbe

Beim Lettering werden gern Konturenschriften verwendet, die man vielfältig füllen kann. Einige Beispiele möchte ich hier geben.

Wie auch immer ihr die Formen wählt: innerhalb eines Wortes solltet ihr für denselben Buchstaben auch dieselbe Form schreiben, der Leserlichkeit zuliebe! Lettering will ja durchaus eine Botschaft (meist eine kurze) verständlich rüberbringen. Ein zu bunter Stilmix kann die Augen nerven, die zwar auf Unregelmäßigkeiten stehen (lieber etwas krumm und handgeschrieben als computergeneriert seelenlos), aber nicht lange rätseln möchten, was denn da so steht.

Konturschriften sind deutlich, einfach zu zeichnen und nehmen viel Farbe auf. Es sind immer nur die ersten fünf Buchstaben vorgeführt, aber anhand des Beispiels sollte man die Reihe leicht fortführen können.

Druckbuchstabenkontur von kalligraphie.de
Farbverlauf-Capitalis: Einfache Druckbuchstabenkontur
Drachenschrift von kalligraphie.de
Drachen-Schrift: zackig nach allen Seiten, mit Fineliner kleine dunkle Striche auf den hellen Hintergrund stippen
Herzchen-Schrift von kalligraphie.de
Herzchen-Schrift: Kontur mit Punktbegleitung und immer in derselben Höhe angebrachten Formen, hier eben ein Herz
Keulchenschrift von kalligraphie.de
Keulchen-Schrift: Buchstabenbasis als Keule, kombiniert mit formgebender Linie
Wölkchenschrift von kalligraphie.de
Mordillo-Schrift: wolkige Konturen mit inliegender Punktierung
Rautenschrift von kalligraphie.de
Rauten-Schrift, kombiniert mit Kreisen, für bunte Farbfüllungen
Schattenschrift von kalligraphie.de
Schatten-Schrift: gibt Tiefe
Spitzserifenschrift von kalligraphie.de
Spitzserifen-Schrift mit gekrümmten Buchstabenabschlüssen
Western-Style von kalligraphie.de
Western-Schrift, vielfältig ausgefüllt
Schraffur-Schrift von kalligraphie.de
Schraffur-Schrift: Buchstabenbasis als gefüllte Balken
Linien-Schrift von kalligraphie.de
Linien-Schrift: langgezogene Worte entstehen
Balken-Minuskeln von kalligraphie.de
Balken-Minuskeln, kombinieren farbige Flächen mit konturgebenden Linien
Ballon-Schrift von kalligraphie.de
Ballon-Schrift: alles rund und viel Raum für Füllung und Möglichkeit der Verschachtelung, wie hier:
Love is in in your pen!

Immer gilt: Zeichnet euch die Buchstaben dünn mit Bleistift vor, zieht Hilfslinien, um die Ausrichtung eurer Buchstaben genau abschätzen zu können und Variationen jenseits der Grundlinie zielgenau zu setzen.

Januar 2019: Auf Scheiben schreiben…

Seit vielen Jahren schon gibt es für Einzelhandel, Gastronomie und wer auch immer sie braucht, Kreideschreiber in allen möglichen Breiten, die flüssige Kreide verschreiben.

Sie schreiben wunderbar auf glatten Oberflächen, auf rauem Untergrund ebenso, aber tut das natürlich den Spitzen der Schreiber nicht gut. Das Schöne an der Kreideschrift ist ihre Abwischbarkeit. Jeder glatte Untergrund verwandelt sich so in eine Zaubertafel, die mit einem Wisch wieder beschreibbar wird: das ideale Spielfeld für Übungen.

Fensterschrift mit Kreidemarker
Fensterschrift mit Kreidemarker

Ich werde jetzt schnell versuchen, dass ich die Schreiber noch bis zum 12. Februar bekomme, um sie im Handlettering-Kurs dabei zu haben.
Handlettering wird bei der VHS Arnsberg-Sundern zum ersten Mal dieses Frühjahr angeboten, außerdem gibt es aber noch meinen üblichen Kalligraphiekurs für Einsteiger (und Fortgeschrittene):
Handlettering am 12.Februar und Kalligraphie für Einsteiger am 12. März.

Wenn es klappt, habe ich die Kreidemarker dann bald auch im Shopangebot, es macht wirklich sehr viel Spaß, damit den Ausblick auf die Welt durchs eigene Fenster zu verändern!

Doodles für alle Letteringlagen

Die Spielarten des Handlettering sind ausgesprochen vielseitig. Das Zeichnen von Buchstaben erlaubt die wildesten Kombinationen von Schriften, und jedes Wort darf eine andere typografische Marschrichtung einschlagen.

Ihnen zugesellt werden kleine Zeichnungen, doodles genannt (nein, keine Erfindung einer omnipräsenten Suchmaschine), die dem Ganzen Lebendigkeit verleihen.

Ich habe hier einmal einige gesammelt, Pfeile, Banner, Bewegungsillustrationen, alle recht einfach zu zeichnen.

Dezember 2018: Advent, Advent, die Kerze brennt…

Es rückt heran der letzte Tag des Wildwald-Weihnachtsmarktes, nur noch diesen Sonntag im Wildwald! Ihr findet mich wie immer unterm großen Zelt, an der Stirnseite der Halle. Der Vosswinkeler Weihnachtswaldmarkt ist etwas ganz Besonderes, hier schmeckt der Glühwein anders, weil er mit Holunder gepimpt wird, und der Kürtöskalacs (ungarischer Baumkuchen) wird von siebenbürgischer Hand gebacken, das Rezept hat Geheimzutaten, die nur ein Magyare kennt.

November 2018: Zitate sind genau wie Geschichte

Dorothy Parker war es, nicht Peter Bamm!

„Zitate sind der Quell, aus dem die Kalligrafie ihr Wasser holt. Aber wo das Wasser herkommt, ist im Zeitalter des Internets manchmal schwierig zu bestimmen.“ Das ist von mir, gerade ausgedacht. Ich schreibe das explizit dabei, weil mir gerade die  Fälschung eines meiner Lieblingszitate untergekommen ist. Angeblich hatte es Peter Bamm gesagt: Was der liebe Gott vom Gelde hält, kann man an den Leuten sehen, denen er es gibt. Vielleicht hat er es auch so gesagt, aber das Original stammt eindeutig von Dorothy Parker, die es so formulierte: „If you want to know what God thinks of money, just look at the people he gave it to.“
Vor ein paar Tagen habe ich ein WDR-Zeitzeichen über sie gehört, sie war die Queen der Bonmots im New York der Roaring Twentieth, eine tonangebende Autorin und wirklich interessante Frau.
Es ist manchmal deprimierend, wie unkritisch Informationen aus dem Netz ohne Ansehen der Quelle weitergegeben werden. Ich erwische mich ja selbst manchmal, die schnelle Internetinformation zu glauben.
Vor ein paar Tagen ging ein tolles Foto um die Welt, von Claudia Manzo aufgenommen in Venedig: Shopping Queens mit ihren Louis-Vuittons-Täschchen im Sintflut-Regen (siehe links). Ein Bild, dass den Zustand der Welt auf den Punkt bringt. Ein paar Tage später geistert es via #twitterperlen durchs Netz, keine Erwähnung der Urheberin, aber von einem Markus Wurzer als „via Eddy Gonzales“ gepostet und so für wen auch immer reklamiert. Wenn man auf Claudia Manzos Facebookprofil sieht, ahnt man warum. Das Bild wurde viral, da werden Begehrlichkeiten geweckt.
Zitate sind genau wie Geschichte. Bei der heißt es immer, sie werde von den Siegern definiert. Im Netz wird die Urheberschaft von der Klickzahl definiert: wer die meisten hat, kann schon mal die Meinung beeinflussen.
Achten wir gut auf das, was uns im Netz aufgetischt wird. 
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