Archiv 2011: Voynich-Manuskript, Papiersorten, Siegelringe,arabische Kalligraphie, Wappenmaler Johann Siebmacher, Soester Fehde, Monogramme…

Schräge Illustrationen

Dezember: Eine interessante Dokumentation erzählt die Geschichte des geheimnisvollsten Buches der Erde: des Voynich-Manuskripts. Die meisten alten Schriften konnten entschlüsselt werden, aber dieses Buch nicht. Entdeckt wurde es 1912 von Michael Voynich in Oberitalien, man vermutet anhand einer Illustration im Buch dort inzwischen auch den Entstehungsort. Aber es befand sich unter anderem am Hof Rudolphs II im Prag der Renaissance, dort schrieb wohl auch Jakub Horcický z Tepence seinen Namen hinein, was ihn als einen der Vorbesitzer kennzeichnet.
Das Buch ist in einer Schrift verfasst, die auch den besten Kryptologen der Welt bis heute widersteht. Das Material ist kostbar, teilweise wurden ganze Tierhäute verwendet, auch die Pigmente sind von höchster Qualität. Es scheint ausgeschlossen, dass dieses Manuskript kein wichtiges Wissen enthält. Hier sind Bilder zu sehen.
Die ORF Reportage „Das Voynich Rätsel – Die geheimnisvollste Handschrift der Welt“ bei youtube und ein Artikel bei heise.de mit vielen Bildern.

November: Papier hatte früher einen ganz anderen Stellenwert als heute. Es gab viele kleine Papierfabriken, die in sehr persönlicher Ansprache jeden lokalen Schreibwarenändler bemusterten, siehe linke Werbeschrift der Papierfirma Max Krause, etwa 20er Jahre des 20sten Jahrhunderts. Früher gab es ja auch dutzende Apfelsorten, ebenso war das mit dem Papier.

Wenn wir heute für unsere kalligrafischen Kunstwerke einen Beschreibstoff suchen, nehmen wir oft Aquarellpapier weil es so vielseitig ist. Wie Aquarellfarbe auf diesem Papier wirkt, weiß man, geschriebene Tusche ist begeisternd scharf abgebildet. Am besten schreibt man zuerst und malt danach beherzt über der Tusche einen passenden Hintergrund. Tuscheschrift verwischt nicht! Man sollte mit Küchenpapier vorsichtig die Schriftzüge freitupfen, sonst ist die Tusche glanzlos. Man kann auch erst den Hintergrund machen und drüber schreiben, aber dann sind die Tuschekonturen nicht mehr so scharf (nass in nass ist natürlich wie immer bei Aquarell eine spannende Sache).
Aquarellpapier ist leider teuer, ein A4 Blatt kostet etwa 50 ct. Ein gutes, glattes Kopierpapier vielleicht 10 ct. Ich verwende auch öfter Elefantenhaut, Pergamentimitat, kostet vielleicht 30 ct pro Blatt (wenn schon, dann mindestens 110 g schwer).
Aber das war es dann schon mit der Vielfalt. Dass ein Vertreter ins Papiergeschäft kommt und hundert Sorten, Farben, Schweregrade zur Auswahl vorbeibringt, ist kaum mehr vorstellbar. Aber mir wären viele Apfelsorten auch ehrlich gesagt wichtiger. An apple a day keeps the doctor away! Ein Blatt Papier kann da nun wirklich nicht helfen.

Oktober: Die Albrecht-Dürer-Schule in Düsseldorf lehrt Gestaltung und hat die Umsetzung einer Aufgabe dokumentiert (Anmerkung: 2022 leider nur noch Reste online). Wirklich interessant, wie unterschiedlich die Interpretationen sind. Jeder entwickelt ja mit der Zeit einen eigenen Schriftstil, bestimmte Ornamentik, individuelle Schreibformen der Schriften. Man kocht irgendwann aber immer mit demselben Wasser. Darum ist es hilfreich, sich in Kalligraphie-Seminaren einmal Anregungen von anderen Schönschreibern zu holen.
Eine Ausstellung ist auch immer schön. Werke von Herbert Maring und Albert Schmalz sind zur Zeit im Archiv der Schreibwerkstatt Klingspor ausgestellt, eine Ausstellung, die nur noch bis einschließlich 27.Oktober 2011 geht. Die Öffnungszeiten sind donnerstags von 13:00 bis 18:00 Uhr.

September: Das Siegeln ist eine wirklich uralte Tradition. Frühe Siegelringe, an der Hand getragene Siegel, waren schon bei den Ägyptern in Gebrauch. Urkunden wurden mit Siegeln versehen, und bis heute zieht die Verletzung amtlicher Siegel empfindliche Strafen nach sich. Wenn wir in der Kalligraphie heute Siegel und Siegellack benutzen, so dient dies meist dem dekorativen Abschluss eines handgeschriebenen Briefes, der natürlich auch noch in einen ebensolchen Umschlag kommt.
Der Siegellack (oder das Wachs) wird an einer Kerze o.ä. zum Tropfen gebracht (das kann ruhig brennend aufs Papier, aber immer sofort auspusten), 3 bis 5 Tropfen genügen. Dann das kalte Siegel aufdrücken, Sekunde warten, ein bißchen rechts-links drücken und abziehen.
Wenn das Siegel zu warm geworden ist, kann der Siegellack kleben bleiben, das ist ziemlich nervig, man kann dann mit sehr feinem Werkzeug ganz vorsichtig abpickeln. Das ist jedenfalls mein augenblicklicher Wissensstand. Gute Tipps sind willkommen!

August: Die Kalligraphie-Ausstellung des Künstlers Shahid Alam wird am Samstag, 27. August 2011, um 15.00 Uhr in Kloster Wedinghausen eröffnet. Shahid Alam, geboren 1952 in Lahore – Pakistan, lebt seit 1973 in Deutschland, wo er in der freien Atmosphäre der Gesellschaft der Vielfalt seiner Interessen und deren Verwirklichungsmöglichkeiten nachgehen konnte. Seit 1996 arbeitet er als Freischaffender Künstler in Aachen. Die Kunst der arabischen Kalligraphie hat in seiner künstlerischen Tätigkeit einen besonderen Platz eingenommen. Die meisten seiner Bilder kommen aus dem religiösen Bereich, aber auch Texte europäischer Dichter haben ihren Ausdruck gefunden in arabischer Schrift. Zur Eröffnung gab es eine Darbietung, wo der Künstler mit einer großen Plakatfeder vorführte. Ich fand die Ausführung dieser Schrift interessant wegen Werkzeug (mit der Plakatfeder schreiben finde ich schwierig wegen des hohen Tintenflusses), Schreibrichtung (von rechts nach links, man muß weitgehend mit der Hand in der Luft schreiben) und dem häufigen Schieben der Feder, wenn lange Geraden von unten nach oben geschrieben werden.

Juli: Die Pläne zur Faksimile-Ausstellung im Kloster Wedinghausen konkretisieren sich. Wahrscheinlich ab 23. April 2012, d.h. rund um den Welttag des Buches bis in den Juni hinein (ca. 6-8 Wochen), soll es in Arnsberg eine tolle Ausstellung mit allen Kostbarkeiten der mittelalterlichen Buchkunst geben. Vom Stundenbuch des Duc de Berry über dasselbe von Isabella von Kastilien, der Bamberger Apokalypse, dem Book of Kells und Lindisfarne oder dem Perikopenbuch Heinrich II., alle werden versammelt sein. Ich freue mich riesig!

Juni: Es ist eine für mich ganz neue Erfahrung gewesen, mich mit klassischer Musik beim Schreiben berieseln zu lassen, ein Tipp von Ingrid Schade. Wie von selbst fängt die Hand im Rhytmus zu schreiben, je nach Taktgeschwindigkeit verfällt man in einen anderen Duktus, und es gelingt sogar mir auf Anhieb die Loslösung von der starren Buchstabenform. Pfingstfaul wie ich bin, habe ich gleich den ersten Versuch online gestellt, aber vielleicht wiederhole ich das Ganze noch mal.

Mai: Das Alphabet ist die Grundlage aller Schriftkunst. Interessant ist es, einfach mal die Bildersuche bei Google zu bemühen. Man findet nicht nur Alphabete, sondern eine Vielzahl von schönen Anregungen für die eigene Arbeit. Ausserdem findet man auch eine der seltenen Ausstellungen, die für Kalligrafie-Interessierte sehenswert sind: Das Alphabet von A bis Z in der Kunsthalle Memmingen vom 27. März 2011 bis 31. Juli 2011
Eine weitere Ausstellung in der Stuttgarter Landesbibliothek: F.H. Ernst Schneidler war Kalligraph, Typograph, Schriftgestalter, Maler und engagierter Lehrer. Sein Werk umfasst unter anderem allein 20 Schriften, die zum Teil bis heute im Buchdruck Verwendung finden.

April: Ein interessantes Zeitzeichen bei WDR gehört, steht inzwischen beim NDR online: der Nürnberger Künstler Johann Siebmacher starb am 23. März vor 400 Jahren und erreichte Berühmtheit als Wappenmaler. Zu dieser Zeit entwickelte sich der Beruf des Herolds, der auf Turnieren die Ritter ankündigte und darum natürlich deren Abzeichen kennen muß, keine leichte Aufgabe. Der „Siebmacher“ wurde sprichwörtlich, weil er tausende von Ritterwappen aufzeichnete und zum unentbehrlichen Nachschlagewerk wurde. Sein Grab ist auf dem Nürnberger Johannisfriedhof, Nr. 755 Die Seite wappenbuch.com stellt eine umfangreiche Wappensammlung dar.
Die Heraldik, wie Wappenkunde auf schlau heißt, ist ein weites Feld voller Symbolik. Eigentlich umfasst dieses Heroldswesen (der Herold kündigte bei den Ritterturnieren die Jungs in den Rüstungen an) nicht nur die Kunde der Wappen, sondern auch die Fähigkeit, deren Symbolik zu erkennen und die Berechtigung des Trägers beurteilen zu können. Wer sich des Tragens falscher Wappen überführt sah, konnte Pferd und Rüstung verlieren.

März: Nachdem ich einmal seine kalligrafische Idee geklaut habe („Chicago fire“, rechts mein Nachbau zur aktuellen Finanzkrise), habe ich mich auf Mike Kecsegs Homepage umgesehen (2022 sieht sie etwas desolat aus, sorry). Und wie Sokrates wußte, dass er nichts wußte, seh´ich daran, dass ich nichts kann. Aber ein schöner Anblick ist es doch…
Bei der Gelegenheit habe ich eine hilfreiche Liste entdeckt und vervollständigt: „Zehn Dinge, die ich über Kalligraphie gelernt habe“

Februar 2011: Was ist Kalligraphie? Steven Skaggs  definiert: „Je mehr Buchstabenformen, desto weniger Kalligraphie; oder je weniger Buchstabenformen, desto mehr kalligraphische Qualität.“ Der Schritt vom Schönschreiben zur Kalligraphie ist der Sprung ins Unbekannte, in die losgelöste Form, „die Hand schreibt das Herz“. Eine interessante Erfahrung ist es daher, sich einmal zum Schreiben die Augen zu verbinden

Januar 2011: Das Jahr hat viele schöne Wochenenden, an denen Geschichte zelebriert wird. In Soest ist großes Fehde-Jubiläum vom 13. bis 21. August 2011. Die ganze Stadt macht mit. Mit einem eigens geschriebenen Festspiel, dass ab Donnerstag immer um 20 Uhr aufgeführt wird, erinnert die Stadt an den historischen Zoff mit dem Kölner Erzbischof, der 1444 begann und bis 1449 endete. Als die Bürger frech geworden (in Soest entstand angeblich der Spruch „Stadtluft macht frei“), hatten sie sich einfach einen neuen Fürsten gewählt, Johann von Kleve. Der Kaiser verhängte daraufhin die Reichsacht über die Stadt, aber das kratzte die Soester wenig. Man hatte dicke Mauern, und auch ein 12.000 Mann starkes Söldnerheer biß sich an ihnen die Zähne aus. Leider hatte das gesamte Umland unter der Fehde zu leiden, Neheim wurde einmal ganz abgebrannt, weil es zum Grafen von Arnsberg gehörte und damit zu Köln. Harte Zeiten. Und vier Jahre später begann der 30jährige Krieg.

Einen VHS-Kurs in Monogrammgestaltung biete ich am Samstag, 05. März an. Monogramme als Besitzzeichen sind eine uralte Tradition, die in vielfältiger Weise zum Kennzeichnen persönlicher Gegenstände genutzt wurden. Das Ex Libris als Buchstempel erlebte seine Blütezeit im Jugendstil, wurde aber auch lange vorher schon in teilweise kostbaren Schriften benutzt. Der Kurs führt zum Entwurf eines eigenen Monogramms oder Ex Libris, nach alten Vorbildern oder modern gestaltet, schlicht in Einzelbuchstaben oder verbunden mit Zierrat nach persönlichem Geschmack. Das Monogramm wird auf Wunsch digitalisiert, um es für eigene Stempel oder Aufkleber nutzen zu können.
So bekommt die Korrespondenz wieder eine persönliche Note, wenn der Brief schon mit dem Computer geschrieben wurde.