Juli 2019: Die Unterschiede bei Stahlfedern

Als es noch keine (erschwinglichen) Füller gab, war eine Fülle verschiedenster Schreibfedern auf dem Markt. Eine kleine Auswahl habe ich hier mal abgebildet. Von 1 bis 9 sind Spitzfedern zu sehen, die alle nach dem Prinzip des Schwellzugs feinste Schreibschrift produzieren (können). Dazu muss man die grundsätzliche Technik unterschiedlicher Druckausübung beherrschen, und zwar beim Abstrich den Druck auf die Feder zu verstärken, beim Aufstrich den Druck von der Feder zu nehmen. Ergebnis ist die Spreizung der Federspitze mit ensprechendem „anschwellen“ der Strichbreite. Hier ein schönes Video.
Einfacher im Gebrauch und damit besonders für AnfängerInnen wichtigste Schreibfeder des Kalligraphen ist die Bandzugfeder. Mit ihr werden vorzugsweise die gebrochenen Schriften produziert, aber sie funktioniert grundsätzlich für alle Schriften. Egal wie breit die Feder ist (es gibt sie von 0,5 mm bis 5 mm Breite): die Strichbreite verändert sich von selbst, ohne dass Druck ausgeübt wird, einfach durch die breite, flache Form. So erreicht man auch ohne größere handwerkliche Erfahrung ein „kalligrafisches“ Schriftbild.

In der unteren Reihe sind Ornamentfedern (10+11) abgebildet: die haben eine runde Platte vorn, so dass der Federstrich eine ecken- und kantenlos runde Schrift produziert. Die 12 ist eine Doppelstrich-Feder und hinterlässt einen dünnen, einen dickeren Strich. Die Notenlinienfeder (13) schreibt gleich 5 Linien für komponierende MusikerInnen. 14 – 16 sind Bandzugfedern in 1, 2 und 3 mm.
Die beiden Plakatfedern am Ende sind für großformatige Schriften und verbrauchen entsprechend viel Farbe.

Verschiedene Stahlfedern, für jeden Schreibstil etwas


September 2016: Die Wahl der Werkzeuge

Die Wahl der Werkzeuge ist für den Anfänger zunächst nicht ganz einfach. Allzu viele Schreiber gibt es auf dem Markt, vom Füller mit breiter Spitze über Faserschreiber und den gewöhnlichen Federhalter, in den man verschiedene Schreibfedern einsteckt, aber welche?
In den schicken Schreibsets, mit denen man inzwischen inflationär zugeworfen wird, gibt es in der Regel eine Spitzfeder, das wird dann für Anfänger verkauft. Ohne einen Kursus wird kein Anfänger damit glücklich.
Bandzugfeder mit Aquarellfarbe als Tinte
Man muss zunächst einmal die Technik beherrschen, NUR beim Abstrich (also der Bewegung der Feder auf einen zu) Druck auszuüben, damit die Federspitze spreizt und der Strich breiter wird. Matthias Gröschke hat das hier gut dargestellt.
Mit der Spitzfeder kann ich durch diesen „Schwellzug“ allerdings feiner und filigraner schreiben als mit jeder anderen Feder, was bei manchen Schriften absolutes Muss ist. Also: Wer gute Feinmotorik hat, immer ran an die Spitzfeder, aber kauft euch eine gute! Also geht in ein richtiges Fachgeschäft (solang es sie noch gibt) und schaut dort nach einer Spitzfeder!
Einfacher ist die Bandzugfeder zu handhaben, die in einen Federhalter eingesteckt wird. Bei ihr entstehen die unterschiedlichen Breiten sozusagen von selbst, je nachdem in welchem Winkel des Buchstabens man gerade ist. Für den Anfänger eignet sich daher auch ein Füller mit solch breiter Spitze, weil man dann noch nicht einmal Tinte nachfüllen muss.
Mit der Bandzugfeder schreibt man oft die gebrochenen Schriften (Fraktur, Textur z.B.), aber sie ist auch für anderes geeignet.