Vom Schreiben und Denken

Wie wichtig war die Erfindung der Schrift für die Entwicklung der Menschheit? In der dreiteiligen Dokumentation „Vom Schreiben und Denken. Die Saga der Schrift“ wird dieser Frage nachgegangen. Die Erfindung des Rebusprinzips war der Schlüssel zur Entwicklung von Schriften, deren Zeichen nicht mehr für definierte Gegenstände, sondern für Laute standen. Damit wurde die Schrift allmächtig zur Dokumentation jedweder Aussagen. Und dies war die Grundlage für gesellschaftliche Entwicklung.

Hieroglyphen: kompliziert und heilig

Der Buchdruck des Guttenberg funktionierte mit der lateinischen Schrift unvergleichlich gut. Mit dem Buchdruck setzte auch wieder eine Alphabetisierung der Bevölkerung ein, denn man wollte LESEN, was z.B. ein Luther zu sagen hatte. In anderen Gesellschaften mit komplexen Schriftsystemen waren der Verbreitung von Wissen Schranken gesetzt, die bis in die Moderne standen. Das erste gedruckte arabische Werk datiert auf Anfang des 20. Jahrhunderts. In China wurden zwar vereinzelt Holztafeln zum Drucken genutzt, aber die Technik wurde durch die Fülle der Schriftzeichen einfach nicht als praktikabel angesehen.

Brody Neuenschwander, einer der Schriftkünstler in der Dokumentation

Die Verbreitung und Vervielfältigung von Schrift als Träger von Gedanken war der Turbobooster der westlichen Industrienationen, der zu einem immensen Vorsprung durch technisches Knowhow und dessen Anwendung führte, und der in Folge durch den Kolonialismus wirtschaftlich gefestigt wurde.

Die Dokumentation ist bis zum 19.Januar 21 online auf ARTE.

Früheste Schriften

Warum in die Ferne schweifen… im mir benachbarten Sauerländer Städtchen Werl ist ein kleines Museum mit Exponaten aus aller Welt eingerichtet. Man höre und staune: Das Völkerkundemuseum der Franziskaner ist mit über zehntausend Gegenständen außereuropäischer Kunst und Alltagskultur das größte Völkerkundemuseum Westfalens!
Und inmitten all dieser Schätze findet natürlich auch die Schriftkunst ihren Platz. Von Keilschrifttafeln 2000 Jahre vor unserer Zeitrechnung beginnend bis zu den chinesischen „Kostbarkeiten der Studierstube“ ist eine Menge vertreten, was den Schriftinteressierten faszinieren kann. Wir können uns heute glücklich schätzen mit unserem 26-Buchstaben-Alphabet,  während die Keilschriftler noch 800-2000 Zeichen beherschen mussten. Chinesen haben es bis heute nicht leichter: „Für den alltäglichen Bedarf ist die Kenntnis von 3.000 bis 5.000 Zeichen ausreichend.“  Na, das geht doch.