Lettering: Der Mensch ist die Dornenkrone der Schöpfung

Lettering-Spruch zum Sonntag: „Der Mensch ist die Dornenkrone der Schöpfung“. Stanislaw Jerzy Lec war als Aphoristiker eine Rasierklinge. Seine durch Krieg und Vertreibung geprägte Lebensgeschichte führte ihn auch mit Marcel Reich-Ranicky zusammen, der direkt nach dem WK II unter ihm in einer Propaganda- und Übersetzungseinheit der polnischen Volksarmee arbeitete. Ein spannendes Leben, das ihn zu scharfzüngigster Kritik an den Menschen beflügelte, die er aber immer mit einer guten Portion Satire verdaulich zu gestalten wußte.

Guten Morgen! Ausgeruht?

Guten Morgen!

Guten Morgen! Ausgeruht?Handlettering macht mir ja zunehmend Spaß, muss ich sagen. Es ist eine so verspielte Schreiberei, weit weg vom strengen Formvollendeten, das die klassische Kalligraphie ausmacht. Aber natürlich hilft es einem, wenn man die klassischen Techniken beherrscht. Langsamkeit bei der Ausführung ist weiterhin Garant für gutes Aussehen und gelungene Strichführung. Dennoch geht beim Lettering alles etwas schneller.

Man muss weggehen können…

Eine 2003 entstandene Kalligraphie in Unzialschrift: Die Buchstaben hätten viel massiger sein müssen, ich habe eine zu dünne Feder benutzt. Weil mir das Gedicht „Ziehende Landschaft“ von Hilde Domin aber so gut gefällt, zeige ich es heute doch noch mal her, und sei es nur als schlechtes Beispiel einer Unzialschrift.

Man muß weggehen können
und doch sein wie ein Baum:
als bliebe die Wurzel im Boden,
als zöge die Landschaft und wir ständen fest.
Man muß den Atem anhalten,
bis der Wind nachläßt
und die fremde Luft um uns zu kreisen beginnt,
bis das Spiel von Licht und Schatten,
von Grün und Blau,
die alten Muster zeigt
und wir zuhause sind,
wo es auch sei,
und niedersitzen können und uns anlehnen,
als sei es an das Grab
unserer Mutter.

Nur wenige sind es wert dass man ihnen widerspricht.

Guter Rat für Facebook & Co.

ErNur wenige sind es wert dass man ihnen widerspricht.nst Jünger hatte diesen guten Rat für alle SocialMedia-Debatten: Nur wenige sind es wert, dass man ihnen widerspricht.
Wenn man sich den immer mal wieder ins Gedächtnis ruft, erspart man sich einigen Ärger und verschwendete Lebenszeit.
Geschrieben mit dem PittArtist Pen von Faber-Castell, Brush-Spitze. Und im Stil des Handlettering: keine gerade Linie, die Buchstaben tanzen, grafische Elemente vermitteln Bewegung.

Die Zeit ist wie der Wind… Kalligraphiespruch aus 2003

In meinen Kursen emfehle ich den TeilnehmerInnen immer die Datierung ihrer Werke. Es ist für einen selbst nämlich sehr interessant zu sehen, wie die eigene Schrift sich mit zunehmender Übung und Erfahrung im Schreiben verändert, gleichmäßiger und souveräner wird.
Dies gilt vor allem für die vorgegebene Strenge gebrochener Schriften, die keine Schludrigkeit verzeihen. Alle meine Versuche in Textur oder Fraktur aus dieser Zeit erscheinen mir heute derart kläglich, dass ich sie nicht noch einmal veröffentlichen mag. Eine Ausnahme fand ich in diesem Spruch, der 2003 schon einmal auf der Homepage stand (und letzte Woche in einer Version aus 2004). Heutzutrage würde das wohl neudeutsch „Lettering“ genannt: den Buchstaben zeichnen.
Der gleichmässige Strich lässt den Faserschreiber mit runder Spitze erkennen, die Ausfüllung der Buchstabeninnenräume (der Punzen) wurde nachträglich im PC gemacht.

Die Zeit ist wie der Wind. Sie trägt die leichten Dinge fort und lässt die schwerwiegenden zurück. Domenìco Cieri Estrada