Juni 2019: Fonts im Lettering-Style

Auch fürs Handlettering gibt es inzwischen jede Menge PC-Schriften, sogenannte true type fonts (die Datei-Endung ist .ttf), mit denen man das klassisch „unregelmässige“ Design beim Lettering imitieren kann, ohne sich mit Pinsel oder Brushpen abzumühen. Ich habe mal eine nette Mischung zusammen gesucht, die Schriften sind für den persönlichen Gebrauch kostenlos.

Countryside

Dies ist die „Countryside“ von Billy Argel. Der Link führt zu einer gezippten (d.h. komprimierten) Datei aus mehreren Teilen. Am einfachsten geht das „Öffnen mit Windows Explorer“, dann werden einem die Dateien angezeigt, und man kann sie einzeln anwählen. Mit einem Doppelklick auf eine der .ttf-Dateien wird einem die Schrift angezeigt (wie oben dargestellt) und man kann auf „Installieren“ klicken, Windows fügt die Schrift automatisch ins Verzeichnis Windows/Fonts ein. Man hat sie künftig in allen Programmen zur Verfügung. Es ist zu beachten, dass man den Ordner Fonts ab und zu mal sichern sollte 😉

Bei PC-Schriften geht allerdings oft ein wesentliches Merkmal des Handlettering verloren: der über und unter der Schriftlinie tanzende Duktus des Handschriftlichen, der die Lebendigkeit ausmacht.

WatermelonScript.ttf

Bei der Schrift „Watermelon“ von Misti´s Fonts ist das schon sehr viel lebendiger gelöst. Die Unregelmässigkeit der Buchstaben wurde in ihrer Form angelegt, die Verbindungen der Buchstaben sind aber immer mittig und ergeben so ein zusammenhängendes Schriftbild. Einzelne Buchstaben zu einem Fonts zusammenzustellen ist da ungleich einfacher. Auch „Autumn in November“ ist eine schöne Schrift aus derselben Font-Schmiede.

Sehr hübsch finde ich auch diese Schrift: „Easy November“. Wie bei vielen kostenlosen Fonts wurden allerdings einzelne Buchstaben und Zeichen nicht mitgeliefert, es fehlt aber scheinbar nur sz, Frage- und Ausrufezeichen. Nachvollziehbar, es steckt viel Arbeit in der Herstellung einer Schrift, in der Kaufversion hat man natürlich auch alle Zeichen.

Eine gänzlich in Kleinbuchstaben gehaltene Schrift ist „Inkland“. Die Großbuchstaben sind mit einer anderen Form belegt, sodass man ein typografisch buntes Schriftbild erhält. Hier sieht man es am Anfangs-i und am s des Wortes Schrift, beides wurde als Großbuchstabe getippt, aber in der ttf-Datei sind es eben nur anders geschriebene kleine.

Diese Beispiele gab es bei Fontspace, ebenso empfehlenswert finde ich DaFont, und es gibt noch eine Menge weitere. Aber diese kenne ich schon ewig (was ca. Jahrtausendwende bedeutet) und sehe sie als seriös und von Leidenschaft fürs Thema bestimmt. Kann sich natürlich bei Besitzwechsel schnell ändern 😉

Februar 2019: Lettering-Schriften mit Platz für Farbe

Beim Lettering werden gern Konturenschriften verwendet, die man vielfältig füllen kann. Einige Beispiele möchte ich hier geben.

Wie auch immer ihr die Formen wählt: innerhalb eines Wortes solltet ihr für denselben Buchstaben auch dieselbe Form schreiben, der Leserlichkeit zuliebe! Lettering will ja durchaus eine Botschaft (meist eine kurze) verständlich rüberbringen. Ein zu bunter Stilmix kann die Augen nerven, die zwar auf Unregelmäßigkeiten stehen (lieber etwas krumm und handgeschrieben als computergeneriert seelenlos), aber nicht lange rätseln möchten, was denn da so steht.

Konturschriften sind deutlich, einfach zu zeichnen und nehmen viel Farbe auf. Es sind immer nur die ersten fünf Buchstaben vorgeführt, aber anhand des Beispiels sollte man die Reihe leicht fortführen können.

Druckbuchstabenkontur von kalligraphie.de
Farbverlauf-Capitalis: Einfache Druckbuchstabenkontur
Drachenschrift von kalligraphie.de
Drachen-Schrift: zackig nach allen Seiten, mit Fineliner kleine dunkle Striche auf den hellen Hintergrund stippen
Herzchen-Schrift von kalligraphie.de
Herzchen-Schrift: Kontur mit Punktbegleitung und immer in derselben Höhe angebrachten Formen, hier eben ein Herz
Keulchenschrift von kalligraphie.de
Keulchen-Schrift: Buchstabenbasis als Keule, kombiniert mit formgebender Linie
Wölkchenschrift von kalligraphie.de
Mordillo-Schrift: wolkige Konturen mit inliegender Punktierung
Rautenschrift von kalligraphie.de
Rauten-Schrift, kombiniert mit Kreisen, für bunte Farbfüllungen
Schattenschrift von kalligraphie.de
Schatten-Schrift: gibt Tiefe
Spitzserifenschrift von kalligraphie.de
Spitzserifen-Schrift mit gekrümmten Buchstabenabschlüssen
Western-Style von kalligraphie.de
Western-Schrift, vielfältig ausgefüllt
Schraffur-Schrift von kalligraphie.de
Schraffur-Schrift: Buchstabenbasis als gefüllte Balken
Linien-Schrift von kalligraphie.de
Linien-Schrift: langgezogene Worte entstehen
Balken-Minuskeln von kalligraphie.de
Balken-Minuskeln, kombinieren farbige Flächen mit konturgebenden Linien
Ballon-Schrift von kalligraphie.de
Ballon-Schrift: alles rund und viel Raum für Füllung und Möglichkeit der Verschachtelung, wie hier:
Love is in in your pen!

Immer gilt: Zeichnet euch die Buchstaben dünn mit Bleistift vor, zieht Hilfslinien, um die Ausrichtung eurer Buchstaben genau abschätzen zu können und Variationen jenseits der Grundlinie zielgenau zu setzen.

Doodles für alle Letteringlagen

Die Spielarten des Handlettering sind ausgesprochen vielseitig. Das Zeichnen von Buchstaben erlaubt die wildesten Kombinationen von Schriften, und jedes Wort darf eine andere typografische Marschrichtung einschlagen.

Ihnen zugesellt werden kleine Zeichnungen, doodles genannt (nein, keine Erfindung einer omnipräsenten Suchmaschine), die dem Ganzen Lebendigkeit verleihen.

Ich habe hier einmal einige gesammelt, Pfeile, Banner, Bewegungsillustrationen, alle recht einfach zu zeichnen.

Lettering: Der Mensch ist die Dornenkrone der Schöpfung

Lettering-Spruch zum Sonntag: „Der Mensch ist die Dornenkrone der Schöpfung“. Stanislaw Jerzy Lec war als Aphoristiker eine Rasierklinge. Seine durch Krieg und Vertreibung geprägte Lebensgeschichte führte ihn auch mit Marcel Reich-Ranicky zusammen, der direkt nach dem WK II unter ihm in einer Propaganda- und Übersetzungseinheit der polnischen Volksarmee arbeitete. Ein spannendes Leben, das ihn zu scharfzüngigster Kritik an den Menschen beflügelte, die er aber immer mit einer guten Portion Satire verdaulich zu gestalten wußte.